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Gerade habe ich ein Video von Pat Condell – Aggressiver Atheismus (auf Deutsch) gesehen. Darin versucht er u.a. seine atheistische Perspektive deutlich zu machen.  Ich kann ihm in einigen Punkten zustimmen, nicht aber darin wie er es sagt.

Ich glaube (=bin überzeugt, 100%) nicht an Gott (oder was auch immer), bin ich ein Atheist? Vielleicht, ich sehen mich viel lieber als Realist. Gott ist eine Sache die man weder beweisen noch wiederlegen kann, für das Letztere sprechen bessere Argumente, dennoch heißt das für mich, das es dringenderes auf der Welt gibt. Nichtsdestoweniger sollte der gemeine Atheist, sollte er die Absicht haben, seine dem blinden Glauben verfallenen Mitmenschen vor der ewigen Verdammnis zu bewahren und zu – sagen wir mal hoffnungsvoll, weniger blindem Glauben – bekehren, einiges bedenken.

Ich habe schon früh für mich festgestellt, dass es nahezu aussichtslos ist einen Menschen nur mit ein paar scheinbar sinnigen Argumenten von etwas zu überzeugen. Es braucht mehr. In der Psychologie und da in der Persuationsforschung kennt man das Elaboration Likelihood Model (Link) und diesbezüglich zwei Verarbeitungswegen einer Botschaft:

  1. Zentrale Verarbeitung der Mitteilung: hierbei zählen Argumente und die Qualität der Botschaft, der Empfänger setzt sich aktiv mit dem Thema auseinander, vergleicht mit eigenem Wissen, wägt ab und bewertet. Vorausgesetzt er hat ein Wissensbedürfnis (need for cognition), also interessiert und motiviert sein die Botschaft aufwändig kognitiv zu verarbeiten  und die Möglichkeit/Kompetenz haben es auch zu können. Das Thema ist Relevant und er fühlt sich persönlich betroffen.
  2. Periphere Verarbeitung der Mitteilung: hierbei zählen Merkmale des Senders wie z.B. dessen Attraktivität, Kompetenz oder Bekanntheit und Autorität. Oft spielt dabei die Konditionierungen und Co eine Rolle und bestimmte Heuristiken ersparen uns Zeit und kognitiven Aufwand. Voraussetzung für diesen Verarbeitungsweg sind keine ausreichenden Fähigkeiten, keine ausreichende Motivation und geringe Relevanz des Themas.

Der erste Weg führt zu einer stabileren Einstellungsänderung aber beide Wege schließen sich nicht aus und interagieren miteinander, so dass die periphere Route die zentrale begünstigen kann, ok? Mit dem gewissen Wie kann man das Was besser verkaufen und mit dem falschen Wie kann das Was noch so toll sein…

Eine etwas andere Perspektive. In der psychologischen Therapie begegnet man dem Problem der Reaktanz. Das passiert oft dann, wenn man einen Menschen mit etwas konfrontiert, das dieser nicht mag. Der reagiert dann mit Abwehr, logisch.

Ein Angstpatient hat Angst von einer bestimmten (oder unbestimmten  Sache) und das – wie er meint – aus gutem Grund, auch ist der Sinn der Angst einen von dem Objekt der Angst fern zu halten. Blöder Weise besteht die Therapie einer Angst genau darin, den Patienten mit genau dem Angstobjekt zu konfrontieren und die Angst zu provozieren, damit der Patient merkt, dass er daran nicht stirbt und die Angst weniger wird, er habituiert. Alles klar?

Wie vermeidet man nun Reaktanz? Eine Möglichkeit dieses zu tun ist die sogenannte systemimmanente Gesprächsführung und meint nichts anderes, als sich in das System des Patienten hinein zu denken, seine Perspektive einzunehmen und alles mal aus seinem Werte und Normensystem zu betrachten und eben aus diesem heraus zu kommunizieren. Man sollte stets Verständnis und Akzeptanz signalisieren.

Wenn man das Gefühl hat, man wird verstanden und akzeptiert, hat man weniger Motivation in den Flucht-oder Angriff-Modus zu Schalten, also in Stress zu geraten 😉 ,,Alles ist gut, ich spreche mit einem Freund und der will mir nur gutes.“ Auch sollte man gelegentlich Sokrates gedenken.

Wenn ich Atheisten erlebe, habe ich oft das Gefühl, das sie ähnlich wie viele ambitionierte Kommunisten oder so, eine Revolution haben möchten und zwar JETZT! Hat das jemals was gebracht? Dabei sollten sie sich eher einige der Tugenden und Strategien ihrer Gegenspieler aneignen, wenn sie mit dem ,,Missionieren“ erfolgreich sein wollen. Geduld wäre so eine und kleine Schritte führen auch zum Ziel ist auch kein schlechter Gedanke.

Wenn man ein Alternative anbietet, so sollte Sie mindestens ebenwertig, wenn nicht besser sein, also attraktiver oder weniger schlimmer ;).

Die Frage: Hast du schon mal mit dem Gedanken gespielt nicht an Gott zu glauben? ist nicht ohne. Glaube vermittelt scheinbare Sicherheit, Übersichtlichkeit, Orientierung und Kirche bedeutet Gemeinschaft. Und das ist ein Problem. Menschen mögen Gemeinschaften und organisieren sich darin; Clubs, Vereine und soziale Netzwerke etc. Wenn einer darüber nachdenkt eine neue Überzeugung anzunehmen, denkt er auch darüber nach was wohl die anderen davon hallten könnten. Wieso sollten man sich diesem Stress aussetzen? Während Jugendliche scheinbar eher bereit sind ihre Überzeugung zu ändern, sieht es bei den Alten anders aus, da wir um so konservativer und unflexibler sind je älter wir werden.

Wenn man also Kritik übt und will das sie was bewirkt, so sollte man besser nett sein, nicht überfordern und nicht zu viel erwarten 😉

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Was ist das eigentlich? (Link) Minara ist arabisch und bedeutet Leuchtturm. Man könnte sich jetzt fragen, wozu die Schweizer überhaupt Leuchttürme brauchen, aber Spaß beiseite. Wozu überhaupt eine Abstimmung, gibt es da nichts wichtigeres? Wie haben denn die anderen in Europa reagiert? Die Nationalisten haben sich gefreut, was mich nicht erfreut hat und was weit blicken lässt. Eher gefreut hat mich, das die Schweizer Regierung ein Nein empfohlen hat. Was macht das mit dem Ansehen der Schweiz? Wieso dagegen? Vielleicht aus Angst, Unwissenheit, Intoleranz, Desinteresse? Hat das was mit Religion zu tun? Ist Religion zu was gut? Der ägyptische Mufti spricht von einer Beleidigung, aber was soll er sonst sagen? Was sagt er zu der Situation der Christen oder sonstiger nicht-islamischer Menschen in seinem Land? Ist das gut für die Integration, Akzeptanz oder Verständnis? Was hat das mit Religionsfreiheit zu tun?

Wenn es nach mir ginge, könnten alle Tempel verschwinden, unabhängig irgend einer Religion. Aber je mehr man sich über Religion aufregt, um so mehr schenkt man einem Thema Beachtung, das keine verdient. Ich finde nicht unbedingt, das es hier um Religion geht, vielmehr scheint es mir um Bildung und Verständnis zu gehen. Entscheidungen ohne eine fundierte Grundlage sind unsichere Entscheidungen, bei denen Menschen schnell auf bekannte und vermeintlich sichere Heuristiken zurückgreifen. Nicht selten sind das Vorurteile, das was einem die vertraute Umgebung so sagt, Freunde, Nachbarn, der Bauch. Wenn Menschen unsicher sind, hören sie nicht zuletzt auf ihr Bauchgefühl, was nicht selten nichts weit von der Angst entfernt ist und Angst ist selten ein guter Ratgeber. Wozu nachdenken wenn es auch ohne geht.

PS: Intuition ist eine Sache die, wenn überhaupt, dann nur bei Experten funktioniert, alle anderen könnten genau so gut würfeln.

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