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Posts Tagged ‘Moral’

Gestern habe ich eine Sendung von Meischberger (Der Schummelbaron – Frechheit siegt? ) verfolgt, in der die Angelegenheit diskutiert wurde. Dort wurden auch Beispiele von Politikern dargestellt die zurückgetreten sind oder auch nicht, es war nicht ersichtlich in wie fern die Schwere des Vergehens entscheidend war. Vielmehr hatte ich den Eindruck das zum einen der Rückhalt der Vertrauten und Selbstachtung eher entscheidend waren bzw. ein persönlicher moralischer Kodex; „Ich habe etwas falsch gemacht und stehe dafür ein“, oder auch nicht.

Dieser Mensch hat nachweislich etwas falsch gemacht, er gibt es zu und vergibt sich zugleich selbst, indem er sagt das es OK sei Fehler zu machen, das sei ja menschlich.

Er hat nachweislich gelogen betrogen und gestohlen, aber unbeabsichtigt und deshalb sei es OK.

Er hat eine Erklärung unterschrieben in der er Angab diese Arbeit ohne fremde Hilfe gemacht zu haben, er hat aber die Arbeit des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages in Anspruch genommen und diese z.T. nicht gekennzeichnet und auch nicht um die Nutzung der Arbeiten gefragt.

Er hat eine Erklärung unterschrieben in der er Versicherte korrekt gearbeitet und Fremdarbeit kenntlich gemacht zu haben. Hat er nicht. Weshalb die Konsequenz durch die Uni Bayreuth nur logisch war, was auch die Kanzlerin meint.

Fraglich ist nur noch die Absichtlichkeit. Eigentlich nicht, denn unbeabsichtigt kann man ein, zwei oder fünf Stellen übersehen. Aber 200+ teils Wort für Wort übernommenen Stellen, die geschickt in den Textfluss eingearbeitet wurden, wozu? Für gewöhnlich gibt man einen Gedanken oder eine Idee sinngemäß wieder und gibt an wo der Rest steht. Und ist diese wörtliche Übernahme eigentlich ein Zeichen von Dummheit oder Arroganz? Ein geschickterer Weg wäre es doch gewesen die Passagen gründlicher zu überarbeiten. So ergibt sich der Eindruck als entstand die „Doktorarbeit“ aus Textbausteinen, auch einen Leistung in gewissem Sinne.

Umkehrschluss, was wäre wenn er jede dieser wortwörtlichen Stellen gekennzeichnet hätte? Unter Umständen wäre es kein Plagiat mehr aber immer noch ein massiver Copyright Verstoß und somit Diebstahl.

Es sei denn das sein Ghostwriter ihm was reinwürgen wollte. Hehe, gelungen würde ich sagen. Es entstand ja auch irgendwie der Eindruck, als habe er die Arbeit an dem Wochenende vor dem Auftritt in Hessen und der dortigen „Entschuldigung“ auch erst zum ersten mal gelesen.

Was hat das mit seiner Arbeit als Verteidigungsminister zu tun? Die Kanzlerin meint, nix. Man ist geneigt ihr zuzustimmen, ist ja eigentlich egal was einer zu Hause macht, solange er es nicht in der Öffentlichkeit macht, in Amt und würden und als Vertreter des Deutschen Volks. Nur scheint mir dieses Verhalten nicht nur die Spitze eines Eisberges zu sein sondern auch symptomatisch.

So gibt es Anzeichen dafür, dass er seinen Lebenslauf geschönt habe.

Bei dem Unglück mit dem Tanklaster in Kunduz hat er behauptet das Ihm wichtige Unterlagen vorenthalten wurden, angeblich und das dieses (menschliche) Fehlverhalten seiner untergebenen nur mit deren Entlassung zu büßen sei. Er sprach häufiger von Maßstäben die er für sich und andere geltend macht, aber es sind offensichtlich nicht die Gleichen.

Warum der Rückhalt?

a) Durch die Bevölkerung: Ein Minister der forsch und selbstbewusst auftritt, das hat schon was. Ein bisschen Glamour und Adel und eine gute PR, die Bildzeitung und Kerner. Auch scheint sein Fehlverhalten (politisch wie wissenschaftlich) viel zu kompliziert und abstrakt zu sein, als das sich ein gestresster Durchschnittsbürger damit auseinander setzen will. „Abschreiben, es gibt schlimmeres.“ Fraglich ob die Umfragen repräsentativ sind, TV-Telefonumfragen sind Pro und Online-Umfragen eher Contra. Ob das was mit der Zielgruppe zu tun hat?

b) Durch die Kanzlerin: Was anderes bleibt der Kanzlerin übrig? Zur Zeit ist er eine (scheinbar) Lichtgestalt und die Union im Keller, eine „logische“ Verzweiflungstat. Ich hoffe nur, das ein langer Schatten dieser Lichtgestalt wie ein Bumerang zurückfällt auf diese moralische Fehlentscheidung.

Jetzt schon wird ihr Verhalten massiv kritisiert. Es ist auch zu bezweifeln das seine Person sich irgendwie positiv auf die Wahlergebnisse der Union auswirken wird.

In einem ähnlichen Fall wurde jedenfalls nicht lange gefackelt mit der Amtsenthebeung.

Warum sollte er zurücktreten?

– Demut wird eher geschätzt als Hochmut. Was will er erreichen, will er demonstrieren das er es aushalten und aussitzen kann, nur zu welchem Preis. Sein Ansehen und seine Integrität sind beschädigt. Je länger er in der Diskussion bleibt um so stärker wird dieser Makel mit der Person verknüpft.

– Es würde ihm selbst nicht schaden aus der „Schusslinie“ zu gehen, was auch seiner Familie entgegenkommen würde

– es gibt wichtigeres: Der politische Fokus wird durch seine Uneinsichtigkeit unnötigerweise von drängenderen Fragen abgelenkt.

– Die Union sollte sich fragen in wie fern das Verhalten des Ministers mit ihrer Wertvorstellung zusammenhängt, inwiefern er als Repräsentant und Vorbild funktionieren kann.

Angesichts dessen finde ich er sollte nicht zurücktreten 😉

Apropos Kerner: kommt gut an seine Marktwert aufzumöbeln wehrend nebenan Menschen erschossen werde.

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